Paapa Essiedu als Severus Snape: Der neue Meister der Zaubertränke
Severus Snape ist wohl der komplexeste Charakter der gesamten Harry-Potter-Reihe. Seine Geschichte — vom vermeintlichen Bösewicht zum tragischen Helden — gehört zu den größten Wendungen der modernen Literatur. Für die neue Harry Potter HBO Serie hat die Besetzung dieser Schlüsselrolle eine besondere Bedeutung. Die Wahl fiel auf Paapa Essiedu — und sie ist brillant.
Wer ist Paapa Essiedu?
Paapa Essiedu, geboren 1990 in London, ist einer der aufregendsten britischen Schauspieler seiner Generation. Sein Weg von der Royal Shakespeare Company zum BAFTA-Preisträger liest sich wie der Karriereplan eines Schauspielers, der für große Rollen geboren ist.
Theater: Der jüngste Hamlet der RSC
Essiedus Durchbruch kam 2016, als er mit nur 26 Jahren die Titelrolle in der Royal Shakespeare Company-Produktion von „Hamlet" übernahm. Er war damit einer der jüngsten Schauspieler, die diese Rolle bei der RSC gespielt haben. Die Aufführung wurde von der Kritik gefeiert und machte Essiedu schlagartig zu einem der gefragtesten Theaterschauspieler Großbritanniens.
Shakespeare und Snape haben mehr gemeinsam, als man denkt: Beide erfordern die Fähigkeit, mit Sprache zu spielen, Subtexte zu vermitteln und das Publikum mit scheinbar widersprüchlichen Emotionen zu fesseln.
Film und Fernsehen
Essiedus Filmografie umfasst beeindruckende Rollen:
- „I May Destroy You" (2020, HBO/BBC) — als Kwame. Für diese Rolle erhielt er eine BAFTA-Nominierung. Die Serie von Michaela Coel wurde als eine der besten des Jahrzehnts gefeiert.
- „The Lazarus Project" (2022-2023, Sky) — als George, der Hauptdarsteller einer Sci-Fi-Thriller-Serie. Essiedu trug die gesamte Serie als Leading Man.
- „Gangs of London" (2020) — als Alexander Dumani in der Londoner Gangster-Serie.
- „The Outrun" (2024) — neben Saoirse Ronan.
Auszeichnungen
- BAFTA Rising Star Award (2021) — eine Auszeichnung, die vom Publikum vergeben wird
- Mehrere Kritiker-Preise für seine Hamlet-Darstellung
- Screen Actors Guild Award Nominierung als Teil des „I May Destroy You"-Ensembles
Warum Essiedu der perfekte Snape ist
Die Besetzung von Essiedu zeigt, dass HBO einen ganz anderen Snape plant als den, den wir aus den Filmen kennen. Und das ist genau richtig.
Das Alter stimmt
Alan Rickman war 55 Jahre alt, als er Snape im ersten Harry-Potter-Film spielte. Snape ist im ersten Buch jedoch erst 31 Jahre alt — nur 20 Jahre älter als seine Schüler. Essiedu, Mitte 30, ist deutlich näher am kanonischen Alter der Figur.
Das ändert die Dynamik fundamental: Ein jüngerer Snape ist nicht der grandiose, unnahbare Figur der Filme. Er ist ein verbitterter Mann, der täglich an den Ort zurückkehren muss, an dem er seine größte Liebe und seinen schlimmsten Feind kennengelernt hat. Er ist jung genug, dass die Wunden noch frisch sind.
Emotionale Tiefe
Essiedus größte Stärke ist seine Fähigkeit, innere Konflikte sichtbar zu machen, ohne sie auszusprechen. In „The Lazarus Project" spielte er einen Mann, der ein unerträgliches Geheimnis mit sich trägt — eine Situation, die direkt auf Snape übertragbar ist.
Snape lebt ein Doppelleben als Spion. Er muss Dumbledore dienen und gleichzeitig Voldemort täuschen. Er muss Harry Potter beschützen — den Sohn der Frau, die er liebte, und des Mannes, den er hasste. Diese permanente innere Zerrissenheit erfordert einen Schauspieler, der Nuancen beherrscht. Essiedu ist genau das.
Physische Präsenz
In den Büchern wird Snape als Mann mit fettigen schwarzen Haaren, einer Hakennase und einem blassen Gesicht beschrieben, der sich wie eine übergroße Fledermaus durch die Kerker bewegt. Wichtiger als das Aussehen ist jedoch die Aura der Einschüchterung, die Snape ausstrahlt.
Essiedu hat auf der Bühne bewiesen, dass er einen Raum beherrschen kann, ohne zu schreien. Sein Hamlet war nicht laut, sondern intensiv — und genau so sollte Snape sein.
Snape in der Serie: Mehr Raum für die Geschichte
Die Filme konnten Snapes Geschichte nur in groben Zügen erzählen. „The Prince's Tale" — das Kapitel, in dem alles enthüllt wird — wurde im Film zu einer zehnminütigen Montage verdichtet. Die Serie hat die Möglichkeit, Snapes Doppelleben über sieben Staffeln hinweg aufzubauen:
Staffel 1: Der griesgrämige, scheinbar grundlos feindselige Lehrer. Kleine Hinweise auf seine wahren Motive — seine Reaktion, als er Harry zum ersten Mal sieht. Sein Versuch, Harry im Quidditch-Spiel zu retten.
Staffel 2-3: Snapes wachsende Besorgnis über die Rückkehr Voldemorts. Seine komplizierte Beziehung zu Dumbledore (John Lithgow) — in der Serie kann man zeigen, wie diese Zweckgemeinschaft funktioniert.
Staffel 4-5: Der Moment, in dem Voldemort zurückkehrt und Snape sein Doppelleben als Spion wieder aufnehmen muss. Die Spannung zwischen seiner Verachtung für Harry und seiner Pflicht, ihn zu schützen.
Staffel 6-7: Die tragischen Höhepunkte — die unaussprechliche Tat auf dem Astronomieturm, die Flucht, und schließlich die Enthüllung in der Heulenden Hütte.
Alan Rickmans Vermächtnis
Es wäre unredlich, über einen neuen Snape zu sprechen, ohne Alan Rickman zu erwähnen. Rickmans Darstellung hat die Figur für eine ganze Generation definiert. Sein leiser, bedrohlicher Tonfall und sein theatralisches Timing wurden zum Goldstandard.
Rickman, der 2016 verstarb, hatte einen entscheidenden Vorteil: J.K. Rowling verriet ihm Snapes gesamte Hintergrundgeschichte vor der Veröffentlichung der späteren Bücher. So konnte er subtile Hinweise in sein Spiel einbauen, die erst beim wiederholten Anschauen sichtbar werden.
Essiedu wird seinen eigenen Snape erschaffen müssen — und hat den Vorteil, die komplette Geschichte von Anfang an zu kennen. Er kann von der ersten Szene an eine Figur aufbauen, deren Tragödie sich über sieben Staffeln entfaltet.
Die Diversitätsdebatte
Essiedus Besetzung hat — wie bei vielen Casting-Entscheidungen der Serie — Diskussionen über „Race-Blind Casting" ausgelöst. Die Bücher beschreiben Snape als blass, was von manchen Fans als Widerspruch zur Besetzung eines schwarzen Schauspielers gesehen wird.
Die Gegenposition ist klar: Schauspielerisches Talent ist das einzige Kriterium, das zählt. Essiedus Qualifikation für die Rolle steht außer Frage — sein RSC-Hamlet, sein BAFTA-Preis und seine Filmografie sprechen für sich. Showrunnerin Francesca Gardiner hat betont, dass bei allen Besetzungsentscheidungen das Talent im Vordergrund stand.
Zusammenspiel mit dem Cast
Besonders vielversprechend ist die Dynamik zwischen Essiedu und Dominic McLaughlin als Harry. Die feindseelige Lehrer-Schüler-Beziehung, die sich langsam als etwas ganz anderes entpuppt, wird einer der emotionalen Dreh- und Angelpunkte der Serie sein.
Auch die Szenen mit Nick Frost als Hagrid versprechen interessante Kontraste: der kalte, berechnende Snape gegen den warmherzigen, impulsiven Wildhüter.
Unsere Einschätzung
Paapa Essiedu als Snape ist möglicherweise die aufregendste Besetzungsentscheidung der gesamten Serie. Ein junger, talentierter Schauspieler mit klassischer Theaterausbildung und moderner Leinwandpräsenz — das ist genau das, was Snape braucht.
Wer Essiedu in „The Lazarus Project" gesehen hat, weiß: Dieser Mann kann ein Geheimnis tragen. Und genau das ist es, was Severus Snape ausmacht. Wir können es kaum erwarten.
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